zwei Wochen Philippinen ohne Meer

 
Wir sind seit einem Tag auf unserer Ferieninsel Camiguin und haben nun Zeit, etwas auszuspannen und den Blog zu schreiben. Die letzten zwei Wochen waren sehr intensiv: Montag bis Samstag war immer viel zu tun, aber wir konnten auch viel erledigen!

Blick aus dem Hotelzimmer frühmorgens. Wir stehen
um halb 6 auf, damit wir um 8 Uhr in Calaanan sind. 
 
Auffallend viele Studenten im 12. Schuljahr kamen bei uns vorbei, um für eine Unterstützung im College anzufragen. Sie alle hatten super Noten und scheinen von armen Familien zu stammen, die die College- und dazugehörigen Kosten wie Transport und Uniform usw. unmöglich aufbringen können. Nach einem Hausbesuch werden wir sie in unser Programm aufnehmen und am 10. April erklären wir ihnen, welche Verpflichtungen sie haben. Wir sind vor allem darauf angewiesen, dass sie zusätzliche Stipendien beantragen, zum Beispiel bei der Stadt oder beim Erziehungsdepartement, denn wir unterstützen nun fast 100 Collegestudenten und dies wird sich selbstverständlich auf unsere Finanzen auswirken. Aber diese Schüler brauchen uns und auf dieser Stufe ist es praktisch unmöglich für jemanden im Umsiedlungsort seinem Kind eine Ausbildung zu ermöglichen (und praktisch alle Ausbildungen hier werden im College abgeschlossen).
Angel Faith war eine Batulong-Studentin, die wegen einer Schwangerschaft ihre Ausbildung zur Polizistin abbrechen musste. Nun ist ihr Kind im Kindergarten und sie setzte ihr Studium fort und kam bei uns vorbei um zu fragen, ob sie vielleicht nochmals eine Unterstützung bekommen könnte. Dass wir sofort ja sagten, überraschte sie wohl sehr und sie konnte nicht aufhören uns zu danken. Sie war immer eine gute, nette Studentin und ihr Mann verdient gerade genug, dass er die Familie unterstützen kann. Wir freuen uns, Angel Faith nochmals ein Jahr College zu ermöglichen.

Eine 16-jährige High School Schülerin kam mit ihrem gleichaltrigen Freund. Im Februar hat sie ein Kind geboren,  war 5 Tage im Spital und ging dann zurück in die Schule. Sie lebt beim Freund, weil sie keine Eltern mehr hat (die Mutter lebt weit weg mit einem neuen Partner) und ihre Schwiegermutter kümmert sich nun um das Neugeborene. Obwohl wir normalerweise den Schülerinnen mit einem Baby sagen, dass sie im ersten Jahr eine Studiums Pause machen sollen, machen wir hier eine Ausnahme, weil dieser Teenager zuerst die Hauptschulzeit beenden muss und sie durch ihre Abhängigkeit von den Schwiegereltern besser jetzt studiert als in einem Jahr.  


Am Samstag fand unser jährliches Stiftungsratstreffen statt. In diesem Zusammenhang und mit der Bilanz-Rechnung des Revisors fanden wir noch Verbesserungsvorschläge für unsere Buchhaltung. Während wir früher Thata die Verantwortung für die Buchhaltung von Batulong Philippines überlassen hatten und nur checkten, ob die Endzahlen stimmen, wissen wir jetzt, wie es richtig gemacht werden sollte mit den vier verschiedenen Buchhaltungs- Büchern, in die man Ausgaben, Einkünfte, eine Auflistung nach Konten und Korrekturen separat eintragen muss. Bei Batulong gibt es jedes Mal Neues und Besseres für eine gute Organisation und Mäge und ich lernen auch immer wieder dazu!

Wie immer standen Hausbesuche bei Neuanträgen zur Unterstützung an und diesmal waren zwei Häuser auch sehr weit entfernt. Beim ersten mussten wir zuerst eine halbe Stunde mit einem kleinem dreirädrigen Verkehrsmittel (sie heissen Baobao und kommen aus Indien) zurücklegen, das stark genug war, uns auch den Hügel hinauf zu transportieren. Die Familie lebte früher bei uns in Calaanan und der Sohn besucht dort immer noch die Schule, muss aber jeden Tag mit dem Motorrad dorthin gefahren werden. Die Benzinkosten sind viel zu hoch dafür und wir machen eine Unterstützung davon abhängig, dass er im neuen Schuljahr die näher gelegene High School in Pagatpat besucht, wo wir jetzt schon Batulongkinder haben. Interessant ist die Arbeit des Vaters und älteren Sohnes: sie trocknen Schweinehaut, die später in kleineren Stücken fritiert und als Snack gegessen wird (nichts für uns 😉).

  Die fritierten Schweinehäute heissen "Chicharon"

Das zweite Haus ist zwar noch in Calaanan, aber weit zu Fuss durch ein einsames Tal mit vereinzelten Kokosplantagen zu erreichen. Im Moment ist alles trocken, es hat schon lange nicht mehr geregnet und es ist Hochsommer. Die Hauswarte für die Farm bekommen einen minimalen Lohn und haben keinen Strom, aber wenigstens Wasser von einer Quelle. Sie benötigen die Unterstützung von Batulong sehr!

 

Am ersten Samstag besuchen wir Thata, um mit ihr die berufliche Zukunft zu diskutieren. Sie kann mit ihren monatlichen Hormon-Unterdrückungs-Injektionen ihren Krebs soweit in Schach halten, aber leider ihren Gesundheitszustand nicht wirklich verbessern. Nachdem ihr Batulong zwei Jahre lang den vollen Lohn als eine Art Taggeld-Versicherung bezahlte, wird nun ihr Vertrag per Ende Juni in einen 25 % Teilzeit-Vertrag geändert. Sie wird weiterhin von Tablon aus die 51 Kinder in der Umgebung dort betreuen und die tägliche Essenszubereitung für die Kinder in ihrer Nachbarschaft überwachen.


Immer wieder treffen wir ehemalige Batulong-Kinder. Der erste Kontakt war in der Stadt im Burger King, als eine Studentin auf uns zu kam und fragte, ob wir ein Hilfswerk in Calaanan haben. Sie war die damals etwa 5-jährige Tochter unserer Hauswartin und sie hatte immer noch ein Bild von uns und ihr in einem Kostüm auf ihrem Handy! Es geht ihr und der Mutter gut und wir freuten uns sehr, sie wieder zu treffen!


 

Unterwegs auf Hausbesuche war ein Junge vor einem Tisch mit dem Handy und er chattete mit anderen in Zeichensprache. Es war Paul Adrian, der erste taubstumme Junge, dem wir eine Rückkehr in die Spezialschule in der Stadt ermöglichten. Auch aus ihm ist ein Erwachsener geworden und natürlich ist es super, dass er sich mit seiner Umwelt und der Mutter (die damals auch die Zeichensprache in der Schule lernte) verständigen kann.

Nachdem wir die von Termiten zerfressene Küche über Weihnachten renoviert hatten, steht ein etwas grösseres Projekt an: wir brauchen unbedingt mehr Platz im Büro. Nicht nur wenn Mäge und ich dort sind (für jemanden von uns fehlt immer ein Platz), sondern vor allem, wenn die Kinder das Schulmaterial oder das Geld für den Transport in die Stadt (College Studenten) holen – dann bildet sich eine Traube rund um die Eingangstüre und es wird sehr eng im Büro. Der Architekt des vor 13 Jahren gebauten Batulong-Centers wird auch diesmal die Umbauarbeiten planen und überwachen. Im Juni/Juli, wenn Ferien sind, werden unsere Mitarbeiter in den Essensraum ziehen und der Umbau kann stattfinden.

unser Büro wird ca um 1.20 cm verbreitert werden. 

Endlich Meer! Wir geniessen die Ostertage mit Verlängerung auf Camiguin!

Cyerce elegans, eine Nacktschnecke mit halbtransparenten Teilen, ca 5-6 cm gross! Das erste Mal, dass wir diese Schnecke in Camiguin sehen. 


 

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