Die letzten Wochen
Wir sind wieder zurück in der Schweiz und blicken zurück auf intensive Wochen. Bitte entschuldigt, dass ihr jetzt erst davon lesen könnt!
Während unseres zweiten Arbeitseinsatzes in Calaanan legten wir unter anderem einen Fokus auf die Schulung der beiden Mitarbeiter in Bezug auf Informationsbeschaffung zu College-Kursen und die Übertragung der Infos in Excel-Tabellen zur besseren Übersicht. Es geht darum, dass Keno und Aiza die Fakten besitzen, um zu entscheiden, ob Batulong einen Studiengang unterstützen kann oder nicht. Da allerdings selbst die Colleges nicht genau wissen, wie hoch die Studiengebühren z.B nächstes Jahr sind, ist dies nicht so eine einfache Sache…
Zwischendurch gab es für uns auch immer wieder die Möglichkeit, bei Problemen oder Situationen, in denen unsere Mitarbeiter unsicher sind, mitzuhelfen oder Hinweise zur Lösung zu geben. Wir sind immer wieder überrascht, wie wichtig unsere Anwesenheiten im Büro sind, weil wir nur so wirklich am Puls der Stiftung sind. Es kam z.B. das Gespräch auf ein Mädchen, das ohne Darmausgang geboren wurde und immer noch auf eine Operation wartet. Batulong hatte die medizinische Betreuung des Mädchens vor ein paar Jahren begleitet, aber wegen verschiedenster Probleme wurde der Eingriff immer wieder verschoben. Es scheint, dass vor allem die Grossmutter, die für das Mädchen verantwortlich ist, mit der Situation überfordert ist und wir wiesen Aiza an, den Fall nochmals aufzurollen und überall dort zu helfen, wo die Grossmutter nicht kann oder will.
Am Samstag reisten wir nochmals nach Camiguin, wo wir einige Stunden später Mäge’s Bruder Jürg und Schwägerin Andrea trafen, die aus der Schweiz angereist waren.
- unterwegs zum Abendessen auf dem schwarzen Sand von Camiguin
Während der ersten vier Tage machten wir einen Freediving / Apnoetauch- Kurs, wobei es darum geht, mit einem Atemzug möglichst lange und am Ende möglichst tief und entspannt zu tauchen. Wir vier hatten dabei ganz verschiedene Herausforderungen: beim einen war es die Tiefe, beim anderen das Luftanhalten oder das ruhig bleiben, wenn der Atemreflex kommt. Anforderungen im Kurs waren das Bestehen des Theorietests, Luft anhalten für mindestens 1 Minute 30 Sekunden, im Pool unter Wasser 30 Meter mit Flossen tauchen, im Meer an einem Seil herunterhangeln (12 Meter) und ebenso 12 Meter tief mit Flossenschlag tauchen. Anschliessend war die Sicherung des Tauchpartners und eventuelle Rettung des Partners bei einer Ohnmacht Teil des Kurses.
Andrea wurde am dritten Tag krank und ist deshalb nicht auf unserem Abschlussfoto. In der Mitte Diggi mit seiner Assistentin.
Dieser Kurs gab uns Einblick in eine andere Welt des Tauchens und es war für alle eine Herausforderung, aber ich glaube sagen zu können, dass wir vier doch lieber beim Tauchen mit Pressluft bleiben. Deshalb buchten wir schon für den nächsten Tag die ersten Tauchgänge mit unserem Lieblingsguide Dondon. Es freute uns sehr, dass Andrea, die anfänglich noch etwas unsicher war in der neuen Umgebung, mir nach einigen Tauchgängen schon Nacktschnecken zeigte und bald ruhig und sicher tauchte.
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| Franca und Andrea beim Tauchen |
| Diese Nacktschnecke war ca 7 cm gross! |
| Diese Nacktschnecken sehen aus wie eine Weichkoralle - super Tarnung! |
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| Es gibt auch weisse Strände - hier auf einer kleinen Insel ausserhalb von Camiguin. |
Dazwischen planten wir einen Tag für die Inselerkundung ein. Auf zwei Motorrollern fuhren wir dem schönsten Teil der Inselküste entlang und stoppten zuerst bei der Ruine einer grossen Kirche, die 1871 von der zerstörenden Eruption des Vulkans Hibok Hibok begraben wurde.

einer der sehr alten Bäume 
ehemaliger Glockenturm 
Teil der weniger bewohnten Küste Camiguins
Weiter den Berg hinauf fuhren wir zum Dorf, wo heute noch Thata’s Schwester Feliza lebt. Zuerst waren wir nicht mehr sicher, ob wir uns ans richtige Haus erinnerten, aber plötzlich stand Feliza da und lud uns sofort zu einer einheimischen Schokolade ein (sie baut Kakao im Garten an). Ein Nachbar wurde gerufen, um junge Kokosnüsse vom Baum zu holen und wir genossen das frische Kokoswasser darin und löffelten danach die feine weisse Schicht Kokosfleisch daraus.
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| bei Thata's Schwester Feliza |
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| Die erste junge Kokosnuss für Andrea |
Mäge und ich konnten bisher die Strasse über die Insel, die auf 600 Metern Höhe an den Vulkanen Tres Marias und dem Hibok Hibok vorbeiführt, nicht vollständig befahren. Diesmal in der Trockenzeit war dies aber gut möglich und die Tour durch den kühleren Wald mit Baumfarnen und grösseren Bäumen war sehr schön. Am Wegrand in einem kleinen Weiler stand ein Tischchen mit einigen Bündeln essbarem Farn und wir packten die Gelegenheit, dieses köstliche Gemüse zu kaufen, um später einen Salat damit zu machen. Auf die Frage, wo sie den Farn geerntet habe- im Wald oder etwas höher in den Bergen- zeigte die Frau auf die andere Strassenseite mit intensivem Farnbewuchs!
Das Wichtige ist aber, nur die jungen Farne zu ernten und wo waren wir froh, für 8 Rappen pro Bündel noch knackig eingerollten Farn zu bekommen. Nach dem Pass und etwas den Berg hinunter besuchten wir unsere Freunde X und Maiko, um uns dann anschliessend noch kurz beim Katibawasan Wasserfall abzukühlen.

Die nächsten Tage vergingen wie im Fluge mit tauchen und schon war es Zeit, mit der Fähre zum Festland Mindanao zu fahren. Meist dauert die Reise von Camiguin nach Cagayan de Oro 5-6 Stunden. Am 1. Mai hatten wir mit unseren Gästen und Mitarbeitern eine River Rafting Tour auf dem Cagayan Fluss geplant. Schön, waren alle dabei, auch Aiza, die kaum schwimmen kann und auch Diana, die sich zuerst gar nicht getraute, mit der Schwimmweste im Fluss zu treiben. Die Stromschnellen sind nicht hoch – es ist ja gerade eine extreme Trockenzeit auf den Philippinen – aber das dreistündige Hinunterfahren in der Natur ist einfach immer wieder entspannend und schön.
| Cagayan River |
| unsere Gruppe, später aufgeteilt auf 2 Rafts |
| Batulong Mitarbeiter |
An den nächsten Tagen zeigten wir Jürg und Andrea das Hilfswerk und machten ein paar Hausbesuche, vor allem bei einem ihrer Patenkinder.
| eine Küche auf Hausbesuchen |
| bei Oscar zu Hause |
| ein Hausbesuch bei einem Pastor |
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| Anna, ein weiteres Patenkind von Andrea und Jürg |
Der junge Mann freute sich sehr, aber leider kam fast gleichzeitig heraus, dass er grosse Schwierigkeiten mit seinem Studium hatte. Er hätte Fächer, in denen er nicht bestanden hatte, nochmals besuchen und bestehen sollen. Vermutlich hatte er relativ bald aufgegeben und die Kurse nicht mehr genügend oft besucht. Die Lösung wäre gewesen, Batulong über seine Schwierigkeiten zu informieren und wir hätten dann eine Nachhilfe gesucht. Das Resultat war aber, dass er wegen zu vieler Absenzen nicht bestanden hatte und nun vom College von seinem Bauingenieur-Studium ausgeschlossen wurde. Ein Wechsel in eine andere Studienrichtung und zusätzliche 2-3 Jahre Studium können wir einem Batulong-Studenten, der sich bei den ersten Schwierigkeiten nicht mehr bei uns zeigt oder meldet, nicht anbieten. Natürlich ist es auch für uns immer unangenehm, wenn ein Patenkind sich plötzlich nicht mehr engagiert und von Batulong ausgeschlossen werden muss. In diesem Fall hat der junge Mann 3 Jahre studiert und mit diesem Hintergrund wird er bestimmt eine Arbeit finden – halt nicht die, die er sich vorgestellt hatte, sondern vielleicht in einem Geschäft oder Restaurant. Für Jürg und Andrea haben wir schon ein Ersatz-Patenkind gefunden und wir hoffen, dass diese Studentin sich mehr engagiert.
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| im Cogon Markt |
Am nächsten Morgen begleiten wir drei Batulong-Eltern beim Einkauf für 5 Tage (ca 780 Mahlzeiten) auf den grossen Markt in der Stadt. Taschen werden gefüllt mit kiloweise Gemüse und Fleisch – der Reis wird jeweils in grossen Säcken direkt zu uns geliefert.
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| bei Thata |
Da Thata auch noch Mäge’s Verwandten treffen wollte, fuhren wir noch zu ihr für einen Besuch und am nächsten Morgen ging es schon weiter mit dem Schiff und einer etwa 7stündigen Fahrt nach Bohol.
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| Endlich Zeit für ein Spiel - in der sinnlos unterkühlten Schiffskantine |
Dort stand nochmals die Unterwasserwelt auf dem Programm und für Andrea einige herausfordernde Strömungstauchgänge. Am zweiten Tag bleiben wir bei der Insel Panglao und dort konnten wir nochmals langsames und gemütliches Tauchen geniessen.
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Jürg und Andrea in Bohol
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Auf Bohol schauten wir uns nur ein paar der Touristenattraktionen an und immer wenn es um Tiere geht, ist es auch immer etwas grenzwertig, vor allem in einer Art «Zoo», in der Schlangen auf Betonböden liegen oder in der Schmetterling-Voliere, in der ich einfach zu viele tote Tiere gesehen habe.
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| :-( |
Bei den zweitkleinsten Äffchen der Welt, den Tarsieren, geben sie sich mehr Mühe als noch vor 20 oder 30 Jahren, aber vermutlich ist es für die nachtaktiven Tiere immer noch Stress, wenn tausenden Touristen vorbeigehen und fotografieren.
Zwar sind Foto-Blitze verboten und es stehen Ranger dort um sicherzustellen, dass kein Lärm gemacht wird, aber was können sie schon gegen dumme Chinesen tun, die schnalzen, um die Tiere zu wecken! Da ist mir die alte Kirche lieber, deren Turm beim letzten Erdbeben teilweise eingestürzt ist und nun wieder schön aufgebaut wurde. Eigentlich wäre ich sehr gerne in den Mahagoniwald, der vor mehr als 50 Jahren angebaut wurde und den Mäge und ich erstmals 1987 besucht hatten.
Aber plötzlich zogen Wolken auf und es regnete! Wir konnten uns gerade noch unter einen Felsüberhang retten und auf weniger Nass von oben warten… dies war glaub das vierte Mal Regen in zwei Monaten. Als Abschluss sahen wir uns das Wahrzeichen von Bohol an, – die Chocolate hills –die in der Trockenzeit teilweise auch wirklich etwas schokoladebraun sind. Am nächsten Tag war die Zeit auf den Philippinen für uns vier zu Ende und wir traten die Heimreise mit drei Flügen an. Herzlichen Dank fürs Lesen dieses letzten langen Blogeintrags!


















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