Zweite Woche Calaanan
Whitey wurde am Ohr operiert und erholt sich. Bea und Queenie erhalten weiterhin Medikamente und wir hoffen, dass wir bald alle Impfungen durchführen können und unsere Batulonghunde «geupdated» sind.
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| Whitey mit Ohrschutz |
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| Queenie beim Tierarzt.. bei ihr muss man etwas vorsichtig sein, sie traut Menschen nicht immer... |
Am letzten Samstag besuchten Mäge und ich die Batulong-Mitbegründerin und frühere Batulong-Managerin Thata zu Hause. Sie hat sich entschieden, die Medikamente abzusetzen, die ihren Krebs und das Wachstum der Metastasen einschränken sollten, obwohl wir nicht ganz sicher sind, ob sie sich bewusst ist, wofür die Medikamente waren. Dennoch ist es vielleicht eine gute Entscheidung, die ihr nochmals ein paar Monate etwas bessere Lebensqualität gibt. Wir mussten aber die Thematik ansprechen, was geschieht, wenn sie mal für längere Zeit ins Krankenhaus muss oder ganz ausfällt und sie versicherte uns, dass ihr Mann dann übernehmen könnte. Zusätzlich wird aber unsere Sozialarbeiterin, deren Schwiegereltern in der Nähe von Thata wohnen, sich instruieren lassen, wie die Essensausgabe, die Organisation der Eltern und die Schulmaterial-Ausgabe in Tablon funktionieren. Längerfristig werden wir aber wohl diesen Teil der Stadt wieder aus unserem Programm nehmen müssen – es war ja eigentlich nur möglich, weil Thata dort wohnt.
Auf den Philippinen gibt es eigentlich keine Alimente oder Ähnliches. Wenn ein Mann seine Frau und die Kinder verlässt, muss diese schauen, wie sie über die Runden kommt. Natürlich gibt es auch die Fälle, in denen die Frau den Mann mit den Kindern zurücklässt. Das zurückgebliebene Elternteil gibt die Kinder dann wiederum ihren/ seinen Eltern weiter, denn sie/er muss arbeiten. Und so enden die Kinder oft permanent bei den Grosseltern, vor allem, wenn die Mutter oder der Vater einen neuen Partner gefunden hat und die «alten» Kinder nicht in der neuen Beziehung will. Diese Geschichten sind Alltag für Batulong, denn ein Grossteil der unterstützten Kinder sind uneheliche oder nicht mehr gewollte Kinder. Es macht uns oft traurig und auch manchmal wütend, aber wir können wenigstens etwas tun im Leben dieser Kinder und hoffen, dass sie eine ganz besondere Chance als Batulongkind bekommen.
Auch gibt es praktisch keine Waisenhäuser auf den Philippinen. Waisenkinder enden praktisch immer bei irgendeinem Verwandten. Und dann kann wiederum Batulong helfen mit der Finanzierung der Schulbildung.
Ein paar Fälle aus der letzten Woche:
Ein Mann bat um Unterstützung für seine Tochter, die schon im College ist. Wie immer fragen wir nach Hintergrundinformationen wie Lohn und andere Lebensumstände. In diesem Fall war es sehr schwierig, etwas Konkretes zu erfahren. Bei einem weiteren Besuch erfuhren wir, dass der Monatslohn doppelt so hoch war wie zuerst angegeben und nachdem er von einer monatlichen Rückzahlung eines Pfandes erzählte, baten wir ihn um einen Auszug dieser Zahlungen. Danach stellte sich heraus, dass diese Zahlungen in nur viel kleineren Dimensionen und unregelmässig erfolgen. Fazit: der Antragsteller log uns einerseits dauernd an und andererseits verdienen er und seine Frau genug, um die Tochter zu unterstützen. Batulong will nur dort helfen, wo Hilfe auch benötigt wird.
Ein anderer Fall ist eine unserer Collegestudentinnen, die ein Kind geboren hat. Die Batulong-Regel ist eigentlich, dass die Mutter das Kind ein Jahr lang betreuen soll, aber in diesem Fall würde sie ein weiteres Stipendium verlieren. Deshalb wäre es das Beste, wenn sie im nächsten Semester schon weiterstudieren und ihre Mutter während dieser Zeit das Kind betreuen würde. Diese blockte aber ab.. und der Kindsvater, der momentan keine Arbeit hat, scheint geplant zu haben selbst nochmals einen Kurs zu machen, um später als Polizist arbeiten zu können, also könne er das Kind auch nicht betreuen…. Unsere Mediation war gefragt und auch das klar darlegen, dass der Verlust der Zusatzstipendien der Erziehungsdirektion ansonsten von Batulong getragen werden müsste. Da das zweite Semester für die Studentin sowieso nur wenig Unterrichtsstunden hätte und jede zweite Woche online-Unterricht ist, konnten wir die Familie von dieser Lösung überzeugen.
Der Vater einer unserer College-Studentinnen sagte, er habe es satt, für die Familie aufkommen zu müssen und verliess Frau und Kinder. Die Batulong-Studentin hat noch ein weiteres Stipendium und kostet das Hilfswerk nur wenig – so entscheiden wir uns, auch ihre Halbschwester zu unterstützen, die sonst das College kaum finanziell überstehen würde.
Eine 43-jährige Grossmutter bittet um Unterstützung ihrer Enkelin. Die damals 14-jährige Tochter wurde schwanger und liess das Kind bei ihrer Mutter. Die leibliche Mutter gründete später eine neue Familie mit weiteren Kindern und war an ihrem ersten Kind nicht mehr interessiert.
Vielleicht fragt ihr euch, was Mäge und ich eigentlich die ganze Zeit bei Batulong tun? Nur zuhören, was die Besucher sagen? Ja, auch. Und z.B Keno und Aiza motivieren, vermehrt noch das Gespräch mit den Studenten zu suchen und nicht nur Material und Fahrgeld herauszugeben. Wir versuchen Probleme oder Themen herauszuhören, die vielleicht von unseren Mitarbeitern nicht angesprochen oder bemerkt wurden. Immer mal zwischendurch geben wir «Alten» den beiden 34-jährigen Tipps im Umgang mit dem Internet oder dem Computer.. Ich (Franca) räumte etwas in unserem Materiallager auf (Ordnung halten ist nicht so die Stärke unserer Mitarbeiter) und versuchte einen alten Studentenlaptop wenigstens für die High School Schüler zum Recherchieren aufzusetzen. Es gibt eigentlich immer etwas zu tun…
das ist sehr wichtig hier: eine Trommel und Xylophon Gruppe mit Majoretten, die vor den Kindern des Sportsfests durch den Ort ziehen.
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| Sportsfest |
Am Samstag ist Sportsfest – Sport und Spiel für die 4. – 6. Klässler. Mäge und ich klinken uns nochmals aus und fahren nach Camiguin – es ist wichtig, dass wir die Mitarbeiter auch wieder etwas alleine lassen und über Halloween, Allerheiligen / Allerseelen und sonstigen Feiertagen sind wir lieber dort als im Hotel in Cagayan.
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| Camiguin |
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| Begrüssung der Hausmutter Irene - viele Calamansis für unseren Vitamin C Haushalt |
Nach Ankunft in Camiguin hörten wir viele Erzählungen vom Sturm / Taifun, der in Cagayan kaum spürbar war, aber auf Camiguin und vor allem am Strand mit den grossen Wellen grosse Schäden hinterliess. Der Tauchshop, in dem wir jetzt neu tauchen, ist nicht mehr benützbar – die Wellen haben die Türen zertrümmert, eine Wand wurde komplett herausgebrochen und die Tröge, in denen wir unsere Ausrüstung jeweils wuschen, sind nur noch kleine Betonstücke. Gut, konnten die Besitzer in einen Raum etwas weiter weg vom Strand umziehen! Wenn Fischer die Wellen unterschätzt hatten und die Boote nicht in Sicherheit gebracht hatten, war nachher nichts mehr von ihrem Auslegerboot übrig. Die Küstenlinie mit dem Sand verändert sich immer, aber so viel Sand vor Silent Gardens, wo wir wohnen, haben wir noch nie gesehen. Angeblich wurde er von einem Tag zum anderen transportiert. Andere haben jetzt weniger Strand. Es windet immer noch stark und man kann dort, wo wir sonst tauchen, wegen der Wellen nicht ins Wasser. So fuhren wir an den letzten zwei Tagen etwas weiter die Küste hinunter an windgeschütztere Stellen.
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| Wo Mäge steht war früher das Wasser |
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| Situation momentan: Sturm über dem Norden der Philippinen |













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