Beerdigung von Thata
Zurück auf den Philippinen brauchten wir etwas Zeit, uns von der herzlichen Atmosphäre auf den Molukken an die viel mehr bevölkerten Philippinen mit - wir müssen es leider sagen – mehr mit sich selbst beschäftigten Filipinos zu gewöhnen. In Cagayan de Oro verbrachten wir den Heiligabend in unserem Lieblingsrestaurant in der Nähe des Hotels. Einer der Besitzer leistete uns Gesellschaft und am Schluss sagte er sogar, dass er gerne im Stiftungsrat von Batulong wäre. Warum auch nicht, er hat viele soziale Ideen und oft kommen arme Kinder vorbei, die im Restaurant etwas zu essen bekommen. Auch an diesem Abend. Der Junge auf dem Bild ist 13 und in der 7. Klasse. Wir versprachen ihm, dass Batulong ihn im College unterstützt, wenn er gute Noten hat.
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| Heiligabend im J2J |
Am 25. gingen wir zur Totenwache von Thata. Für uns ist diese Tradition fremd, die Tote noch tagelang im Haus aufzubahren und im Sarg mit Glasfenster den Trauernden zu einem letzten Anschauen (last viewing) zu präsentieren. Nach vielen Jahren trafen wir fast alle noch lebenden Geschwister von Thata wieder. Viele der Trauernden glaubten, dass es Thata langsam wieder besser gehe und waren deshalb unvorbereitet und geschockt. Vermutlich waren Mäge und ich die einzigen, die gewusst hatten, wie es um Thata stand, weil sie uns alle medizinischen Berichte zeigte, da das Geld dafür aus dem Batulong Alters- und Gesundheitsfond stammte. Wir erfuhren, dass Thata am Abend vor ihrem Tod noch mit ihrem Mann Gilbert gesprochen habe und am nächsten Morgen um 4 Uhr lag sie friedlich verstorben im Bett.
Um 9 Uhr am 26. fand zuerst ein Gottesdienst und dann eine Gedenkfeier mit Beiträgen statt. Wir waren überrascht, dass fast alle Trauergäste weiss trugen – aber unsere dunklen Farben seien auch okay, versicherte uns Thata’s Schwester. Mäge und ich waren die ersten mit einer Rede über Thata und es wurde uns klar, wie wichtig unsere Anwesenheit war. Ausser den Geschwistern kannte niemand Thata so lange wie wir! Dieser Teil war der emotionalste: Batulongeltern, Freunde, ehemalige und aktuelle Batulong Studenten und Thata’s älterer Bruder lobten Thata's Hilfsbereitschaft und Herz für weniger Privilegierte. Danach legte jeder eine Rose auf den Sarg und es wurden viele Fotos mit Familie, Nachbarn, Batulongeltern, Batulongstudenten, Batulongmitarbeitern usw vor dem Sarg gemacht.
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| Gilbert mit den drei Söhnen |
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| Batulong-Mitarbeiter |
Danach fuhren alle zum Friedhof, wo schon Zement gemischt wurde, um die Grabnische zu verschliessen. Nach einem Gebet konnten die Trauernden das letzte Mal die Verstorbene sehen, dann wurde der geschlossene Sarg in die Nische geschoben. Die Trauer der Familie, vor allem der Teenage-Söhne zu sehen, war herzzerreissend.
Für den nächsten Tag luden wir Gilbert zu einem Gespräch ein, um die Details seiner Übernahme von Thata’s Arbeit in Tablon zu besprechen. Wir sind sehr froh, dass er schon praktisch alles für sie übernommen hatte und keine Einführung benötigt – nun werden die ca. 60 Kinder dort weiterhin mit Essen, Material und Transportgeld – wenn nötig – unterstützt. Neben den 2-3 Stunden täglich für Batulong wird er weiterhin am Abend mit seinem dreirädrigen Baobao (in Thailand: Tuktuk ) Leute transportieren und so zusätzliches Einkommen haben. Auch wird Batulong ihm eine Witwerrente auszahlen.
Es gab auch noch einiges mit unseren Mitarbeitern zu besprechen und nach dem Mittagessen fuhren wir zur Bank, um das Konto, das auf Thata’s und meinen Namen lautete aufzulösen. Mit Hilfe der Bankmanagerin ging das alles viel einfacher und günstiger als sonst. Seit 16 Jahren ist diese Frau uns immer wieder eine grosse Unterstützung.
Nach diesen doch recht hektischen Tagen entschlossen wir uns, nochmals auf die Insel Camiguin zu fahren, wo wir jetzt etwas ausspannen und tauchen.
Wer übrigens denkt, dass Weihnachten vorüber sind – auf den Philippinen wird Weihnachten am längsten gefeiert: von September, wenn die ersten Lieder in den Läden erklingen und Dekorationen aufgehängt werden, bis Januar. Gerade heute Abend war eine Weihnachtsparty gegenüber dem Restaurant, in dem wir assen: ohrenbetäubende Musik (die üblichen Weihnachts-Hits) mit viel zu viel Bass, der unseren Tisch vibrieren liess und den Menschen dort an der Party wohl noch lange Ohrensausen bereitet. Aber Filipinos lieben es laut…


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