Wir sind auf der Insel Ambon in den Molukken, einer
indonesischen Inselgruppe zwischen Sulawesi und West-Papua. Flächenmässig
sind die Molukken fast doppelt so gross wie die Schweiz, aber sie haben nur 2
Millionen Einwohner.
Vor 7 Jahren waren wir schon einmal hier und es ist immer
spannend, an einen Ort zurück zu kommen. Die muslimische junge Frau, die damals
unser Tauchguide war, ist jetzt verheiratet und führt mit ihrem Mann den
Tauchshop. Aber die Pandemie hat der Region stark zugesetzt und wo früher noch
ein paar kleine Restaurants waren, ist jetzt nichts mehr. Im kleinen Ort Laha,
wo wir in einem Homestay (privates Haus, das Zimmer vermietet) wohnen, gibt es
nur einen Ort mit etwas Essen und einen kleinen Laden!
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Blick auf den Inland-Hafen
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Vor 20 Jahren fanden hier heftige und blutige Kämpfe
zwischen Muslimen und Christen statt und die Spannungen legten sich erst 5
Jahre später. Heute sind Dörfer entweder muslimisch oder christlich und auf
unserer Fahrt in die Hauptstadt Ambon erkennen wir die christliche
Religionszugehörigkeit eines Dorfes an der Weihnachtsdekoration und den Frauen,
die keine Kopftücher und lange Kleider tragen. Laha ist ein muslimisches Dorf
und wir haben das «Glück», nur etwa 30 Meter Luftlinie von der Moschee entfernt
zu wohnen. Um 4.45 Uhr reissen uns die Aufrufe zum Gebet durch die vielen
Megafone unbarmherzig aus dem Schlaf, aber interessanterweise gewöhnt man sich
sogar daran!

Das überraschendste für uns hier ist aber die Herzlichkeit
der Menschen! Sie haben echte Freude, einem zu begegnen und ihre Augen
leuchten, wenn sie einem zunicken oder einen grüssen. Kaum jemand spricht
Englisch oder höchstens ein paar Brocken, aber unsere Grüsse – Guten Morgen,
Guten Mittag, Nachmittag und Abend – S(e)lamat pagi, selamat siang, selamat
sore und selamat malam – geben immer sehr erfreute Reaktionen. Wir sprechen
etwas Bahasa Indonesia, aber 200 Wörter reichen natürlich nicht für ein Gespräch. Alle fragen, woher wir kommen und wohin wir
möchten/gehen, und wir sagen dann Europa, Schweiz und dass wir nur etwas
spazieren (jalan jalan saja – gesprochen tschalan tschalan sadscha). 😊 Die
Kinder stehen oft strahlend vor uns hin und sagen ihren Namen und wir dann
unseren. Wenn sie etwas Englisch in der Schule gelernt haben, probieren sie es
sofort bei uns aus, auch wenn es ein «I love you» ist 😉.
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Mäge mit Jungen im Gespräch in Ambon
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Alle
sind sehr hilfsbereit. An einem tauchfreien Tag wollen wir in die ca 20 km
entfernte Hauptstadt Ambon und lassen uns die verschiedenen Verkehrsmittel, die
wir dafür brauchen, erklären. Der erste Teil ist hinten auf einem Motorrad
(Ojek) bis zur Hauptstrasse, dann ein kleiner Bus (Angkot) bis zur
Anlegestelle eines «Schnellbootes» - das Holzboot ist tatsächlich schnell, aber
eine Herausforderung beim Einsteigen, weil es sehr niedrig ist. Danach wieder
einen passenden Kleinbus finden, aber die Adresse «grosse Moschee» ist
wenigstens einfach.
Die Stadt ist insofern spannend, weil hier alle Ethnien und
Religionen zusammenleben. Offiziell sind die Bewohner Malaien, wir sehen aber
auch viele, die klar papuanische Wurzeln haben und wellige oder gelockte Haare
und Bartwuchs sind hier viel häufiger als auf den Philippinen.
Auf unserer Erkundungstour nach einem feinen Mittagessen
versuchen wir eine Abkürzung auf einem kleineren Weg, der dann noch etwas
kleiner wird und über eine hübsche Brücke führt und zunehmend fühlen wir uns
wie auf Hausbesuchen für Batulong, weil die Hütten immer einfacher werden und
nur noch aus Wellblech bestehen.
Und dann stehen wir plötzlich vor einem
Abfallhaufen und dahinter das Meer! Die Männer dort sagen «didak jalan», kein
Weg, und so wollen wir schon umkehren, wenn zwei Teenager sich anbieten, uns
einen Weg weiter zu zeigen.
So folgen wir den zweien durch super enge
Durchgänge zwischen Häusern, vorbei an Katzen und Hühnern auf labyrinthmässig
angelegten Pfaden und am Ende über eine Leiter an einer hohen Mauer bis zu
einer Strasse.
Die Teenager freuen sich über ein Trinkgeld, aber hatten absolut
keines erwartet – es sind einfach sehr sehr hilfsbreite Menschen hier.
Nicht
weit entfernt sehen wir einen Markt und bei der Suche nach Souveniers kommt ein
Junge mit seinem Handy und einem Übersetzungs-Tool – einerseits will er uns
helfen beim Kaufen, aber dann einfach etwas Konversation machen, z.B fragen, was
das typische Essen in der Schweiz ist.  |
der Junge fragte auch - via Übersetzungs-Tool - ob wir ein Foto mit ihm machen :-).
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Wir können den Unterschied zu den
Philippinen gar nicht richtig erklären, aber vielleicht ist es die – in unseren
Augen nicht so positive – Eigenschaft der Schüchternheit der Filipinos.
Schüchtern zu sein ist eben leider oft eine Ausrede dafür, dass man etwas nicht
gemacht hat oder keine Antwort gegeben hat. Ebenso sind Filipinos nicht
neugierig im Sinne von danach fragen, wie es z.B bei uns zu Hause ist, und so
käme die Frage des indonesischen Jungen von einem Filipino nie.
Neben der interessanten Provinz – und ich denke, dass es
nicht unser letztes Mal hier ist – gefällt uns das Tauchen auch sehr gut. Wie
überraschend, dass auf einer Meeresschräge mit abgerundeten, ca 10 cm grossen
Steinen so viele Tiere leben können. Schliesslich ist die Gefahr, dass die
Steine ins Rollen kommen recht gross. Aber da sehen wir einen haarigen
Anglerfisch über die Steine klettern oder dazwischen mal ein Seepferdchen oder
in etwas grösserer Tiefe die speziellen Rhinopias, Skorpionfisch mit einer
Stupsnase. Für Ambon typisch wäre der Ambon-Skorpionfish, den wir aber auch in
Lembeh und in Camiguin schon gesehen haben. Der Psychedelische Anglerfisch
kommt nur hier vor und ist vom Aussterben bedroht – wegen der Taucher! Alle
wollen ihn sehen und so haben Tauchguides begonnen, den Anglerfisch an einen
versteckten Ort zu bringen und dann Geld zu verlangen, um ihn den Tauchern zu
zeigen. Dass ein Tier, das immer wieder versetzt und von vielen Touristen
fotografiert wird, gestresst ist und vor allem keinen Partner findet, sollte
jedem klar sein. So ist es uns egal, dass wir keinen solchen Anglerfisch sehen,
denn ich weiss nicht, ob ich mich getrauen würde, seine Existenz und seinen
ungefähren Standort bekannt zu geben….
Wir haben noch eine Woche hier und werden am 23. Dezember
von Ambon nach Jakarta fliegen und dann um 15 Minuten nach Mitternacht am 24.
Richtung Zürich. Die Umstellung von den etwa 35 Grad hier in die kalte Schweiz
wird nicht ganz einfach werden….
Hier also noch einige Tauchfotos:
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| Rhinopia |
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zwei verschiedene Arten von Rhinopias
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Boxer Krabbe, nur ein paar cm gross
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Teddy bear crabbe, nur ein paar cm gross
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sehr häufig anzutreffen hier: Ceratosoma Nacktschnecke
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ungewöhnlicher Anglerfisch
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| Nacktschnecke |
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Haariger Anglerfisch
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Harlekin shrimp mit seinem Seestern-Mahl
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diese Nacktschnecke ist länger als 10 cm
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| Leoparden-Nacktschnecke |
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auf dem Nachttauchgang ein grosser Oktopus
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immer süss: Sepia
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hässlich und gefährlich: der Steinfisch
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| Tiger-Shrimp |
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