Rückreise verschoben!


Gestern, am 20. Dezember, erfuhren wir, dass unsere Batulong Mitarbeiterin in den frühen Morgenstunden gestorben ist. Obwohl es uns bewusst war, dass der metastasierende Krebs ihr Leben in den nächsten Monaten beenden würde, waren wir doch geschockt und es war für uns sehr sehr plötzlich. Sie hatte uns eine Woche vorher noch von geschwollenen Füssen berichtet und dass sie in der kommenden Woche zu ihrer Onkologin gehen würde. Drei Tage vor ihrem Tod hatte sie ihren 59. Geburtstag, aber auf unsere Glückwünsche kam keine Reaktion mehr. 

Wir sagten Keno immer, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass wir es innerhalb der drei Tage, die für Beerdigungen auf den Philippinen üblich sind, auf die Philippinen schaffen würden und so war unsere erste Reaktion auch, dass wir nicht gehen. Aber weil an Weihnachten keine Abdankungen stattfinden, ist die Abschiedsfeier auf den 26. oder 27. verschoben. 

Statt dass wir also am 24. nach Hause in die Schweiz fliegen, geht es wieder zurück auf die Philippinen, zuerst nach Manila und danach hinunter nach Cagayan de Oro.Wir sind froh, dass wir so den Angehörigen unsere Wertschätzung von Thata zeigen können, aber auch, dass wir Zeit haben, noch einiges zu klären, z.B ob Thata's Mann Gilbert die Betreuung der Batulong-Kinder in Tablon inklusive Organisation der Essensausgabe übernehmen möchte - dann würde er ein neuer Batulong-Mitarbeiter. Faktisch war er dies bisher schon, aber Thata war die Organisatorin. 

Es gibt also noch ein paar Dinge zu tun in Cagayan und dann werden wir ca für Silvester nach Camiguin reisen, um noch etwas auszuspannen, denn bis zum 6. Januar gibt es praktisch nur noch Business class Flugtickets. So fliegen wir am 6. Januar zu einem vernünftigen Preis wieder zurück in die Schweiz. 

Gerne berichten wir hier noch von unserer Zeit - es sind fast 40 Jahre - mit Thata.

Wir kennen Thata seit 1985, als wir sie auf einer Camiguin-Durchwanderung an einem Wasserfall trafen: so schüchtern, dass sie nur mit mir als Frau redete und nicht mit Mäge und unserem Kollegen. Nach einem Jahr Brieffreundschaft - ja, das gab es damals noch :-) - trafen wir sie auf unserer Hochzeitsreise wieder und versprachen, ihr die College-Ausbildung zu bezahlen.

Thata 1985
Bis zu ihrer Graduation trafen wir sie immer wieder auf ihrer Heimatinsel Camiguin und wir lernten ihre genauen Abrechnungen und ihre Aufrichtigkeit zu schätzen.
auf einer Höhlentour mit ihrer Schwester Feliza



1990: Ihr Abschluss als Buchhalterin


In den nächsten Jahren blieben wir immer in losem Kontakt und als wir 2007 beschlossen ein Hilfswerk auf den Philippinen zu gründen, fragten wir sie an. 

Sie sagte sofort zu, denn sie hatte gerade ihre Arbeit gekündigt, weil sie nur zwei Mal im Monat von der 8 Fahrstunden entfernten Stadt ihres Arbeitsplatzes zu ihren Kindern fahren konnte. 

Und so ergab es sich, dass wir drei zusammen den Grundstein für Batulong legten. Mäge und ich profitierten enorm von ihrem Knowhow bezüglich armen Familien und sie hatte immer eine gute Mischung zwischen Strenge und einem mitfühlenden Herzen. Unsere Primäraufgabe war es, ihr den Computer und seine Anwendungen näher zu bringen.


hier war Thata schwanger mit ihrem dritten Kind

2009 in unserem alten Batulong-Center und Büro

Im Herbst 2019 erzählte sie uns das erste Mal von einer Schwellung in der Brust. Leider konnten wir sie aber nicht von einer Untersuchung überzeugen, weil ihre Angst vor einer möglichen Operation grösser war als ein möglicher Tod durch Krebs. Dann kam die Pandemie und auch auf unser schriftliches Drängen, sie solle den Knollen untersuchen lassen, vielleicht sei es sogar harmlos, reagierte sie immer mit "sorry, aber ich muss mich weigern, ich will keinen Check-up". Allerdings folgte sie verschiedenen Naturheilern, die ihr teure Produkte verkauften oder sie zu einer drastischen Diät nur mit Gemüse überredeten. Auf unserem ersten Besuch nach der Pandemie erschraken wir deshalb, weil sie bis auf 37 Kilogramm abgemagert war. Später in diesem Jahr, als die ersten Metastasen und die Flüssigkeit auf der Lunge ihr das Atmen erschwerten und deswegen Ultraschalls und Röntgenaufnahmen gemacht werden mussten, konnte sie schlussendlich nicht verhindern, dass auch ihre Brust mit dem Tumor untersucht wurde und der Krebs diagnostiziert wurde. Eine Chemotherapie musste wieder abgebrochen werden, weil sie zu schwach und zu leicht war, aber  Hormonunterdrückungsmedikamente zeigten eine Weile lang Erfolg oder zumindest keine Verschlimmerung.

So arbeitete Thata seit 2022 von zu Hause aus - zuerst machte sie noch Buchhaltung usw, aber dann übernahm Keno ihren Job und Thata organisierte nur noch die Betreuung der Kinder in Tablon. Ihr Mann, Gilbert, übernahm nach und nach verschiedene Arbeiten und so konnten die rund 60 Kinder dort weiterhin Essen und Schulmaterialien bekommen. 

Wir nannten Thata manchmal scherzhaft Mrs. Batulong, weil sie tatsächlich - zumindest bis 2022 - das Herz der Stiftung war. Sie war Keno, der damals Sozialarbeiter war, eine sehr gute Vorgesetzte und Freundin. 

Mit einem doch schweren Herzen reisen wir morgen Richtung Philippinen und als erstes werden wir an der Totenwache teilnehmen, die vom Zeitpunkt des Todes bis zur Beerdigung stattfindet. Auf den Philippinen geht es da vor allem darum, den Toten nicht allein zu lassen und so sitzen und essen die Leute dort, beten und singen oder spielen Karten.

Totenwache im Wohnzimmer der Familie Suganob - im Hintergrund der Sarg. 



Wir werden uns selbstverständlich nochmals melden mit einem Blogbeitrag.. denn unsere Reise geht weiter. 

Liebe Grüsse

Franca und Mäge




Kommentare

Anonym hat gesagt…
Hallo ihr Lieben ich wünsche euch viel Kraft für die kommenden Tage und hoffe wir sehen uns im neuen Jahr. einen guten Rückflug liebe Grüsse Mägi